Comics zu Film und Serie von Panini

Gebhard von der Lilie

“Gebhard von der Lilie” von Robius und Steff erschien 1983 in der No.10 des deutschen Underground Comichefts “Menschenblut”. Steff, der Zeichner, war gerade einmal 16 Jahre alt und verbrachte seine Jugend mit dem Schnüffeln von Pattex auf dem Bahndamm und der Anfertigung von Tankgemälden für die Rockerclubs im Pott, was sich auch in diesem rasanten Science-Fiction Comic wiederspiegelt. Robius, der Autor, war der Erzählerische Hochleistungsdynamo des Dreigestirns der deutschen Undergroundszene: Robius, Mille und Bildermicky! Letzterer war der Herausgeber des Heftes, das mit der No.11, auf dem Index für Jugendgefährdende Schriften landete und erst nach 10 Jähriger Zwangspause im Jahre 1993 mit der No.12 eine furiose Fortsetzung fand und es auf 37 Ausgaben brachte. Bildermicky’s filigrane Handlettering ist legendär und bescherte ihm unter anderem ein Dankesschreiben von Alex Toth. Original erschien "Menschenblut" im Format der Ami Undergroundhefte im Stile von “Slow Death”, “Zap” und “Fantagore”, auf schwer holzhaltigem Papier. Auch für das Cover der No.10 zeichnet Bildermicky verantwortlich und es ist in klassischer Handfarbtrennmethode entstanden und die Lithos sind auf seiner eigenen Maschine gefertigt. Scannen ist nur was für verweichlichte Luschen des 21 Jahrhunderts!

Bewertung
Durchschnitt
4.4 (64 Bewertungen)
  • von preacher76 am 28.05.2011 um 18:57 Uhr

    die Diskussion um alte Corben-Klamotten ist ja fast schon spektakulärer das das Comic selbst. Natürlich habe ich das Teil vom Steff sehr, sehr... (unglaublich sehr) spät gelesen, war aber begeistert. 5 Sterne und nen Gruß an den Meister himself.

  • von Bastel am 19.05.2011 um 10:23 Uhr

    Corbens "Rowlf" ist aber in Farbe!

     

    Gruß

     

    Bastel

  • von peter_schaaff am 19.05.2011 um 09:56 Uhr

    Mein 'Druidenhammer' war die erste Sammlung von Geschichten des Richard Corben ('Die unglaubliche Welt des ...') aus dem Volksverlag. Besonders die Amazonasurwaldgeschichte wußte über Jahre zu begeistern und prägte des Knaben Werdegang im Sinne der Bildgeschichten - Wahnsinn!

     

    Danach kommt dann gleich Corbens 'Rowlf' - die Mutter aller s/w- Epen: jede Seite zeichnerisch lichtgestaltartiges Augengold. Dazu üppige Frauen beim Bade, der perfekteste in Szene gesetzte deutsche Schäferhundmensch, Nazimonster mit Privatleben, Sturmgeschütze und gnadenloses Gemetzel - die Suppe halt, aus der man Geschichte(n) macht.

     

    All the best für den Kontakt mit Heavy Metal. Freue mich schon auf eure Geschichte ...

  • von steff murschetz am 17.05.2011 um 21:11 Uhr

    Ha,ha,ha... ich meinte aber vor allem die Fülle der Bilder und den abgefahrenen Stil. Nach Asterix, Batman und Disney waren Druilett, Corben und Moebius ein echter Kulturschock. Ich denke heut zu tage sind die Kids schon viel krasseres aus Film und Musikvideos gewohnt, als wir damals. Meine erste Reaktion war sogar Abscheu, eigenartig...

    Sehgewohnheiten ändern sich. Irgendwo hab ich mal die These gelesen, die alten Griechen wären nicht in der Lage gewesen, die Farbe des Meeres von der des Weines zu unterscheiden... Keine Ahnung, ob da was dran ist :D

    Hab aber mal nen Erotik-Comic in Miniauflage mit einer Ex produziert, in dem wir auch die Hauptrollen spielten. Ihr 10 Jähriger Sohn fand das gut versteckte Exemplar und präsentierte es der ganzen Kinderbande im Block. Das war sehr peinlich! Der Bengel schleuste auch andere Kinder in die Wohnung, wärend ich tranig den Tag began, unter dem Motto "willste mal nen Zombie sehn?", damit war natürlich ich gemeint...

    Boah, was bin ich für ein Anekdoten-Opa

    Schönen Gruß

    Steff

  • von Bastel am 17.05.2011 um 20:31 Uhr

    Stell dir vor jemand kriegt Rock and Roll Patrol in dem Alter in die Griffel... Die Wunde Hand würde nie wieder verheilen :)

  • von steff murschetz am 16.05.2011 um 21:06 Uhr

    Na, halb so wild, fürs Schwermetall war ich ja wirklich noch nicht reif und dafür gab es ja Plop, Menschenblut, Lippe, Zeitsprung u.s.w.

    Aber bei Heavy Metal werd ich's wohl im laufe des nächsten Jahres nochmal probieren, Bernd Frenz hat mir eine wunderschöne Story geschrieben, bei der ich mir richtig Mühe geben werde...

    Aber mein erstes Schwermetall werd ich nie vergessen. Mit 14 Jahren zufällig bei Montanus entdeckt, Schweißausbrüche, Schwindelgefühl und sehr heisse Ohren, hät wirklich nicht viel gefehlt und ich wäre Ohnmächtig geworden, schnell wieder weggelegt und weiter mit Mutti Klamotten einkaufen. Konnte aber an nichts anderes mehr denken... Dann, gleich am nächsten Tag nochmal mehrere Stunden abenteuerliche Anreise, diesmal allein, und das Ding doch gekauft. Nie zuvor hatte ich solche Zeichnungen gesehen, dazu noch so viel nackte Haut, totale Reizüberflutung - hat mein Leben für immer verändert, aber hallo!

  • von peter_schaaff am 16.05.2011 um 14:57 Uhr

    Wenn man bedenkt, was der Verlag von Raymond Martin (neben unzweifelhaften Perlen und grundsätzlicher Pionierarbeit für die Comics in Deutschland) für einen Schrott veröffentlicht hat braucht man sich nicht wundern, daß er dieses frühe Juwel aus Deiner Hand nicht richtig einzuschätzen vermochte.

  • von steff murschetz am 12.05.2011 um 17:45 Uhr

    Da fallen mir noch zwei Anekdoten zu dem Comic ein:

    Bin, als schüchterner 16 Jähriger mit den Originalen auf der Buchmesse zu Raymond Martin (Schwermetall, U-Comix) gestiefel, der sprang dann plötzlich auf und rannte, ohne Kommentar mit einer der Seiten weg und liess mich sitzen. Ich fand ihn dann am Stand eines ausländischen Verlegers, die lachten sich schepp über die "three Balls"

    Ausser die Lacher und einem "bleib am Ball, Junge!" hats aber nix gebracht...

    Der Bildermicky fragte mal vorsichtig nach, ob ich "vom anderen Ufer" sei, meine Originale wären immer so stark parfümiert, dass er fasst umfällt, wenn er die Pakete öffnet - kein Wunder, ich hatte die Seiten, wegen des Bleistifts und Kohle sehr großzügig mit Haarspray fixiert.

     

  • von peter_schaaff am 12.05.2011 um 16:21 Uhr

    Immer noch übel krass - und das nach all den Jahren ...

    Einige sagen ja, 'Menschenblut' habe da weitergezeichnet, wo 'Heavy Metal' oder 'Slow Death' aufhörten. Die Indizierung einer Ausgabe weiland unterstreicht das.

    Auch heute noch ist die Story grafisch ganz groß. Inhaltlich hat es hier und da die eine oder andere diskussionswürdige Stelle ... aber waren wir nicht alle mal jung (und suchten Randale)?

  • von Michilinki am 17.04.2011 um 10:20 Uhr

    Hi Steff,

     

    vielen Dank, dass du die alten Zeiten mit diesem tollen Beitrag wieder aufleben lässt, wir waren alle damals infiziert vom Virus Corbimoebius, ja...Corben und Moebius waren unsere Comicgötter.

     

    Schon damals erkannte man deine Klasse als Zeichner, das alte Lebensgefühl kommt wieder zum Vorschein.

     

    Die Zeiten haben sich geändert, damals war der Underground geprägt von den Zukunftsängsten, Drogenexperimenten und Zivilisationskritik. In der heutigen Zeit haben wir das große Glück, all das zu erleben über das wir vor 30 Jahren totlachten. Wir leben in einer Welt voller Ekel, Scheinmoral, Korruption und den ersten Anzeichens des zivilisatorischen Untergangs....es ist also wieder die richtige Zeit für Undergroundcomics, denn sie sind letztendlich das ware Testament unserer Zeit. 5 Punkte und wieder ein Favorit!

     

    lg

     

    Michi

     

  • von steff murschetz am 16.04.2011 um 01:06 Uhr

    Jau, ich war auch schon am schwelgen...

  • von flauteboy am 14.04.2011 um 18:09 Uhr

    Da werden Erinnerungen wach..

    Das hat MB in der Zeit ausgezeichnet. Klasse Geschichte &

    Zeichnungen neben der Härte auch eine unterschwellige Larmoyanz

    transportieren.

     

    Kann ich mich heute noch reinfallen lassen..

     

    finger weg von schlechten drogen, macht ums emsland einen bogen